Übergewicht – insbesondere Fettleibigkeit – geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Gefäß-Erkrankungen einher. Eine Patientenleitlinie klärt Betroffene nun über den Stand der Forschung auf und informiert über Therapiemöglichkeiten.

Wohlstand schafft Versuchungen, und daher nimmt es nicht wunder, dass in einem reichen Land wie Deutschland viele Menschen mehr essen, als ratsam wäre. Zwei von drei Männern und jede zweite Frau hierzulande sind übergewichtig. Vor allem bei Jungen und Männern nimmt die Quote in bedenklichem Tempo zu. Neben dem Überangebot an verarbeiteten, mit reichlich Zucker „veredelten“ Lebensmitteln in den Supermarktregalen ist dafür die Tendenz zu weniger Bewegung im Alltag verantwortlich.

Herzmediziner wie der in Berlin-Wilmersdorf tätige Kardiologe und Internist Dr. Patrick Darb-Esfahani sehen die Entwicklung mit Sorge: „Übergewicht begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen – je höher der Body-Mass-Index-Wert, desto höher etwa das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Bluthochdruck, Diabetes und kritische Blutfettwerte sind bei fettleibigen Patienten eher die Regel als die Ausnahme.“ Schon aus diesen, aber auch aus orthopädischen und weiteren Gründen ist es empfehlenswert, das Normalgewicht anzustreben.

„Begegnung auf Augenhöhe“
Eine neue Patientenleitlinie der wissenschaftlich ausgerichteten Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), erstellt gemeinsam mit der SRH Hochschule für Gesundheit, Campus Gera, versorgt Übergewichtige nun mit verlässlichen aktuellen Erkenntnissen rund ums Thema. Die Patienten werden auf den Stand der Forschung zu Wirkungszusammenhängen und Therapiemöglichkeiten gebracht. So sollen sie besser in die Lage versetzt werden, gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen. „Die Patientenleitlinie trägt dazu bei, dass sich Patienten mit Ärzten auf Augenhöhe begegnen können“, betont die DAG-Patientenbeauftragte Steffy Wirtz.

Verschiedene Fachdisziplinen haben an der Leitlinie mitgewirkt, von Internisten, Allgemeinmedizinern und Endokrinologen über Ernährungs- und Physiotherapeuten bis hin zu Psychologen und Chirurgen. „Die neue Patientenleitlinie schließt eine wichtige Lücke für eine bessere Versorgung von Menschen mit Adipositas. Denn sie verdeutlicht den Betroffenen, nach welchen wissenschaftlich begründeten Empfehlungen Ärzte im Bereich Adipositas handeln“, fasst der Tagungspräsident der DAG 2020, Prof. Dr. Matthias Blüher, zusammen.

Die „Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas“ kann unter diesem Link kostenlos als PDF heruntergeladen werden.