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Mammutstudie belegt Nutzen von Statin-Therapie

Die Auswertung der Daten von rund 350.000 Patienten zeigt: Wer eine ärztlich verordnete Statin-Therapie zuverlässig umsetzt, muss seltener in die Klinik und lebt statistisch länger.

Statine, auch bekannt als CSE-Hemmer oder HMG-CoA-Reduktase-Hemmer, werden zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt. Mit rund fünf Millionen Verordnungen allein in Deutschland zählen sie zu den meistverwendeten Wirkstoffgruppen. Obwohl die Statin-Therapie unter Herzmedizinern unumstritten ist, kursieren im Internet jede Menge zweifelhafte Warnungen, die in manchem an die Dauerdiskussion um Impfungen erinnern. Hier wie dort kommt es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen. Und hier wie dort werden diese von verschwörungstheoretisch orientierten Aktivisten maßlos übertrieben, um Stimmung gegen eine medizinische Maßnahme zu machen, deren Nutzen die Risiken bei Weitem überwiegt.

Bei der Statin-Therapie sind es zuvörderst Muskelschmerzen, über die manche Patienten klagen. Die sogenannten Statin-Associated Muscle Symptoms (SAMS) treten allerdings in randomisierten Studien bei lediglich 0,1 bis 0,2 Prozent der Probanden auf. Ähnlich niedrig oder noch darunter liegen die Risiken anderer Nebenwirkungen wie Diabetes, Nieren- oder Leberschäden. „Wenn man das Nebenwirkungsrisiko einer Statin-Therapie dem Nutzen gegenüberstellt, ist es ohne Zweifel vertretbar. Immerhin verhindern Statine statistisch pro 1.000 Patienten 5 kardiovaskuläre Ereignisse pro Jahr“, erläutert der Herzspezialist Dr. Fabian Riediger von der kardiologischen und internistischen „Praxis am Rüdesheimer Platz“ in Berlin-Wilmersdorf.

Weitere Daten zum Statin-Nutzen liefert nun eine Kohortenstudie, für die Daten von 350.000 Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Leiden ausgewertet wurden. Die Forscher der US-amerikanischen Stanford University prüften, inwieweit die Therapietreue den Effekt der Wirkstoffe beeinflusst – ob also Patienten, die die ärztliche Verordnung konsequent umsetzten, gesundheitliche Vorteile gegenüber Patienten gewannen, die es mit der Medikamenteneinnahme nicht so genau nahmen.

Therapietreue anhand der Medikamentenabholung gemessen
Um nicht auf die – oftmals geschönten – Eigenangaben der Patienten zur Therapietreue angewiesen zu sein, schauten sich die Wissenschaftler an, wie regelmäßig die Statine in der Apotheke abgeholt wurden. Die tatsächliche Einnahme lässt sich damit zwar nur mutmaßen, sie liegt jedoch nahe. Wie die Analyse offenbarte, sinkt das Sterberisiko mit der Therapietreue. In der Spitze macht der Unterschied rund 30 Prozent aus, und zwar zwischen jenen Patienten mit einer Therapietreue von unter 50 und jenen mit über 90 Prozent. Anders gesagt: Wer sich an die ärztliche Verordnung hält, verlängert im Durchschnitt sein Leben.

Woran das liegt, lässt sich ebenfalls messen: Bei konsequenter Medikamenteneinnahme liegen sowohl der LDL-Cholesterin-Spiegel als auch der Blutdruck deutlich unter den Werten, die bei laxer Herangehensweise verzeichnet werden. Folglich kam es im Untersuchungszeitraum bei den Patienten mit hoher Therapietreue zu signifikant weniger Klinikaufenthalten wegen Schlaganfall oder ischämischer Herzerkrankung. Fazit: Statine haben einen hohen Nutzen – wenn sie auch diszipliniert eingenommen werden.

Neue Patientenleitlinie klärt über Adipositas auf

Übergewicht – insbesondere Fettleibigkeit – geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Gefäß-Erkrankungen einher. Eine Patientenleitlinie klärt Betroffene nun über den Stand der Forschung auf und informiert über Therapiemöglichkeiten.

Wohlstand schafft Versuchungen, und daher nimmt es nicht wunder, dass in einem reichen Land wie Deutschland viele Menschen mehr essen, als ratsam wäre. Zwei von drei Männern und jede zweite Frau hierzulande sind übergewichtig. Vor allem bei Jungen und Männern nimmt die Quote in bedenklichem Tempo zu. Neben dem Überangebot an verarbeiteten, mit reichlich Zucker „veredelten“ Lebensmitteln in den Supermarktregalen ist dafür die Tendenz zu weniger Bewegung im Alltag verantwortlich.

Herzmediziner wie der in Berlin-Wilmersdorf tätige Kardiologe und Internist Dr. Patrick Darb-Esfahani sehen die Entwicklung mit Sorge: „Übergewicht begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen – je höher der Body-Mass-Index-Wert, desto höher etwa das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Bluthochdruck, Diabetes und kritische Blutfettwerte sind bei fettleibigen Patienten eher die Regel als die Ausnahme.“ Schon aus diesen, aber auch aus orthopädischen und weiteren Gründen ist es empfehlenswert, das Normalgewicht anzustreben.

„Begegnung auf Augenhöhe“
Eine neue Patientenleitlinie der wissenschaftlich ausgerichteten Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), erstellt gemeinsam mit der SRH Hochschule für Gesundheit, Campus Gera, versorgt Übergewichtige nun mit verlässlichen aktuellen Erkenntnissen rund ums Thema. Die Patienten werden auf den Stand der Forschung zu Wirkungszusammenhängen und Therapiemöglichkeiten gebracht. So sollen sie besser in die Lage versetzt werden, gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen. „Die Patientenleitlinie trägt dazu bei, dass sich Patienten mit Ärzten auf Augenhöhe begegnen können“, betont die DAG-Patientenbeauftragte Steffy Wirtz.

Verschiedene Fachdisziplinen haben an der Leitlinie mitgewirkt, von Internisten, Allgemeinmedizinern und Endokrinologen über Ernährungs- und Physiotherapeuten bis hin zu Psychologen und Chirurgen. „Die neue Patientenleitlinie schließt eine wichtige Lücke für eine bessere Versorgung von Menschen mit Adipositas. Denn sie verdeutlicht den Betroffenen, nach welchen wissenschaftlich begründeten Empfehlungen Ärzte im Bereich Adipositas handeln“, fasst der Tagungspräsident der DAG 2020, Prof. Dr. Matthias Blüher, zusammen.

Die „Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas“ kann unter diesem Link kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Wie Migräne die Herzgesundheit beeinflusst

Zwei aktuelle Mammutstudien liefern weitere Belege für den Zusammenhang zwischen Migräne – insbesondere mit Aura – und kardiovaskulären Erkrankungen.

Es wird geschätzt, dass rund 15 Prozent der Deutschen von wiederkehrenden Migräneanfällen betroffen sind. Das Leiden wirkt sich nicht nur unmittelbar auf die Lebensqualität aus, sondern erhöht auch das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen. Insbesondere für Migräne mit Aura wurde dieser Effekt belegt. Wie an dieser Stelle bereits berichtet, kam eine Studie 2016 zu dem Schluss, dass junge Migräne-Patientinnen langfristig ein um die Hälfte erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Herz-Gefäß-Systems aufweisen. Vor allem Schlaganfälle werden wahrscheinlicher.

Dieser Befund wurde nun von einer dänischen Studie untermauert, die sich auf Daten von über 660.000 Menschen stützt, davon rund 70 Prozent Frauen. Grundlage bildete das nationale Gesundheitsregister, das ärztliche Diagnosen, Verschreibungen und Klinikaufenthalte aller in Dänemark Geborenen enthält. Unter den „Probanden“ waren rund 151.000 Migränepatienten; ob mit oder ohne Aura, war bei den meisten nicht bekannt. Ihnen stellten die Forscher über eine halbe Million Migräne-freie, aber ansonsten – in puncto Alter, Erhebungsjahr und Geschlecht – vergleichbare Menschen gegenüber. Risikofaktoren wie vorhandene kardiologische Leiden oder Rauchen wurden herausgerechnet.

Auch venöse Thromboembolien und Vorhofflimmern wahrscheinlicher
Die Auswertung bestätigt erneut den bekannten Zusammenhang: Migränepatienten haben ein etwa doppelt so hohes Schlaganfall-Risiko wie Menschen ohne Migräne. Auch das Risiko zerebraler Blutungen steigt fast auf das Doppelte. Die Gefährdung durch Herzinfarkt, venöse Thromboembolien oder Vorhofflimmern ist bei Migränepatienten zwar nicht ganz so stark, aber ebenfalls signifikant erhöht. Das hat insofern Neuigkeitswert, als der Effekt auf das Risiko venöser Thromboembolien und von Vorhofflimmern zuvor nicht belegt werden konnte.

Auf noch mehr Patientendaten als ihre dänischen Kollegen konnte ein Team aus US-Forschern zugreifen: Die Wissenschaftler werteten 16 Kohortenstudien aus, in die Daten von annähernd 400.000 Migränepatienten und über 750.000 Vergleichspatienten eingeflossen waren. Auch hier konnte ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Migräne – vor allem mit Aura – und dem Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko festgestellt werden.

„Die neuen Studien unterstreichen, wie wichtig die kardiologische Vorsorge für Migränepatienten ist“, kommentiert der Herzmediziner Dr. Patrick Darb-Esfahani, der in Berlin-Wilmersdorf praktiziert. „Insbesondere Frauen, die unter Migräne mit Aura leiden, sollten ihre Herzgesundheit gut im Auge behalten und regelmäßig kontrollieren lassen. Wenn andere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen hinzukommen, gilt das umso mehr.“