Wenn bei einer Ultraschalluntersuchung der Halsarterie Plaque entdeckt wird, stellt sich die Frage: Sollte eine Behandlung erfolgen und, wenn ja, welche? Die Antwort lautet: Kommt drauf an.

Es ist keine Seltenheit, dass ein Ultraschall-Screening der Karotis (große Halsschlagader) den Zufallsbefund „Plaque“ hervorbringt – und zwar auch bei Personen, die sich pudelwohl fühlen und noch nie Herz-Kreislauf-Probleme hatten. Im Rahmen einer spanischen Studie beispielsweise wurden mehr als 4.000 Bankangestellte untersucht, die allesamt keine kardiovaskulären Vorerkrankungen aufwiesen. Bei fast jedem dritten der 40- bis 54-jährigen Probanden fand sich Plaque in der Halsschlagader, bei Männern häufiger als bei Frauen. Dieses Ergebnis wird von zahlreichen weiteren Studien bestätigt, die für ähnliche Altersgruppen zu Karotisplaque-Raten zwischen einem Viertel und einem Drittel kommen. Sind die Betroffenen Herzpatienten, ohne es zu wissen?

„Grundsätzlich gilt Plaque in Arterien als Marker für das kardiovaskuläre Risiko, auch Plaque in der Halsschlagader. Laut der aktuellen Studienlage ist die Aussagekraft eines solchen Befundes allein allerdings gering“, erklärt der in Berlin-Friedenau praktizierende Herzmediziner Dr. Patrick Darb-Esfahani. „Für die Risikokalkulation – und damit die Frage, ob behandelt werden sollte – hat Karotisplaque gegenüber den anderen Risikofaktoren eine untergeordnete Bedeutung. Es kommt auf das Gesamtbild an: Alter, Blutdruck, Cholesterinwerte, Raucher oder Nichtraucher, Diabetes mellitus, familiäre Veranlagung, Geschlecht und, und, und.“

Gesunde brauchen keine präventive Behandlung
Patienten, die gesund sind und dennoch Plaque in der Halsschlagader aufweisen, können in der Regel auf eine Behandlung verzichten. Zumindest, solange die Plaque nicht „signifikant“ ist, wie die Europäische Kardiologengesellschaft (ESC) in ihrer Leitlinie formuliert. Laut aktueller Studienlage bringt weder die Behandlung mit Statinen noch die mit Azetylsalizylsäure (ASS) Gesunden mit Karotisplaque einen nennenswerten Vorteil. Statine sind zwar zur Prävention generell geeignet, bei geringem Risiko aber auch verzichtbar – und das Risiko kann bei ganzheitlicher Betrachtung trotz Karotisplaque durchaus niedrig sein.

Routinemäßige Ultraschall-Screenings der Halsschlagader sind aus diesen Gründen nicht pauschal für alle Patienten sinnvoll. Die ESC empfiehlt die Untersuchung nur dann, wenn die anderen relevanten Parameter kein hinreichend eindeutiges Bild ergeben. Praktikern wie Herzmediziner Dr. Darb-Esfahani zufolge kann das Screening in solchen Fällen wichtige Anhaltspunkte für die Risikoeinschätzung liefern. Fazit: Plaque in der Halsschlagader ist für sich genommen kein Grund zur Besorgnis – aber ein Grund, sich die Herzgesundheit einmal genauer anzuschauen.