Eine französische Großstudie zeigt: Vorbeugend Statine einzunehmen reduziert das Risiko behandlungsbedürftiger Herz- bzw. Gefäßerkrankungen auch bei älteren Menschen.

Statine bilden seit mehr als zwei Jahrzehnten den medikamentösen Standard zur Cholesterinsenkung. Der Nutzen für die Herz-Gefäß-Gesundheit wurde vielfach in Studien belegt. So sinkt etwa das Herzinfarktrisiko bei konsequenter Statin-Einnahme signifikant, denn das Medikament verlangsamt das Fortschreiten einer Arteriosklerose. Dennoch hegen manche Patienten Vorbehalte gegen die Wirkstoffklasse.

„Verschiedentlich werden Befürchtungen wegen des Nebenwirkungsrisikos von Statinen geäußert. Das ist insofern verständlich, als zu den bekannten möglichen Nebenwirkungen Nierenschäden und Typ-2-Diabetes gehören“, erläutert der Berliner Herzmediziner Dr. Fabian Riediger. „Statistisch sind diese Risiken aber sehr gering und werden von den kardiologischen Vorteilen mehr als aufgewogen. So kommt es laut Daten der American Heart Association bei etwa 0,2 Prozent der mit Statinen behandelten Patienten pro Jahr zu einem Typ-2-Diabetes und bei weniger als 0,1 Prozent zu Muskelerkrankungen. Eine hochintensive Statintherapie kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen aber um 40 Prozent verringern.“

Forscher der Hôpitaux Universitaires Paris sind nun der Frage nachgegangen, inwieweit speziell Menschen über 75 Jahren von Statinen profitieren. In ihrer Beobachtungsstudie werteten sie Krankenversicherungsdaten zu über 120.000 75-jährigen Patienten aus, die seit mindestens zwei Jahren vorbeugend Statine – und keine weiteren Herz-Kreislauf-Medikamente – einnahmen. Anschließend verfolgten sie über bis zu vier, im Durchschnitt 2,4 Jahre hinweg die weitere Krankengeschichte der Senioren.

Therapieabbruch bedeutet um 46 Prozent erhöhtes Herzerkrankungsrisiko
In diesem Follow-up-Zeitraum beendeten 14,3 Prozent der Patienten die Statintherapie oder unterbrachen sie für mindestens drei Monate. Wie der Abgleich mit klinischen Behandlungsdaten ergab, hatten diese Therapieabbrecher ein um ein Drittel erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen. Die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Koronarerkrankung in eine Klinik eingewiesen zu werden, stieg bei ihnen sogar um 46 Prozent gegenüber jenen Patienten, die ihre Statintherapie fortsetzten. „Nach unserer Einschätzung treten innerhalb von vier Jahren pro 100 Menschen 2,5 zusätzliche kardiovaskuläre Ereignisse auf, wenn Personen mit 75 ihre Statine absetzen, verglichen mit denen, die sie weiterhin einnehmen“, bringt Studien-Mitautor Dr. Philippe Giral eine wesentliche Erkenntnis auf den Punkt.

„Die französischen Studienergebnisse belegen erneut, wie wichtig und lebensrettend eine konsequent umgesetzte Statintherapie sein kann“, bekräftigen die Herzexperten Dr. Patrick Darb-Esfahani und Dr. Fabian Riediger, die in Berlin-Wilmersdorf eine kardiologische Praxisgemeinschaft betreiben. „Unsere langjährige Erfahrung bestätigt, ebenso wie die Forschungslage insgesamt, dass der Nutzen von Statinen weit größer ist als ihr Risiko.“