Das Risiko, dass elektromagnetische Felder von Handys, Metalldetektoren, Diebstahlsicherungen & Co. die Funktion von Kardio-Implantaten stören, ist gering. Vorsicht ist trotzdem geboten.

Aktuell ist das potenzielle Risiko elektromagnetischer Strahlung wieder ein öffentliches Thema. Mit dem Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes kommt nämlich eine weitere Quelle hinzu, die Fragen nach der langfristigen gesundheitlichen Unbedenklichkeit des allgegenwärtigen „Elektrosmogs“ aufwirft. Die Studienlage ist uneinheitlich, gibt aber zumindest Anlass zu Besorgnis und zu intensivierter Forschung.

Die den modernen Menschen umgebenden elektromagnetischen Felder haben aber nicht nur Einfluss auf das Gewebe (das mindestens messbar erwärmt wird), sondern auch auf implantierte Geräte, insbesondere auf Herzschrittmacher und Defibrillatoren (ICD). Die heutigen Implantate sind zwar gut abgeschirmt, pro 100 Patientenjahre kommt es laut aktuellen Studien nur zu 0,3 bis 0,7 Vorfällen. Dennoch besteht bei ungünstiger Exposition die Gefahr, dass Defibrillatoren Schocks abgeben, die für die Patienten schmerzhaft sind, oder dass Herzschrittmacher in einen anderen Modus schalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben nun einen Überblick präsentiert, an dem Patienten mit Kardio-Implantat sich orientieren können. Vorsicht ist vor allem geboten bei:

  • RFID-Scannern
    RFID steht für Radio-Frequency Identification, die sich immer weiter verbreitende Technologie ermöglicht kabellosen Informationsaustausch. Patienten mit Herzschrittmacher sollten zu RFID-Scannern einen Sicherheitsabstand von 60 Zentimetern, solche mit Defibrillatoren von 40 Zentimetern einhalten.
  • Diebstahlsicherungen
    Im Eingangsbereich vieler Kaufhäuser bestehen zur Diebstahlsicherung radiofrequente, elektromagnetische oder – der häufigste und für Implantatträger gefährlichste Fall – akustomagnetische Felder. Dort sollte man sich immer nur für kurze Zeit aufhalten, wenn man einen Herzschrittmacher oder Defibrillator trägt.
  • Körperfettwaagen
    Auch wenn die Gefahr vermutlich gering ist: Das Störpotenzial von Körperfettwaagen wurde noch nicht ausreichend erforscht, um Entwarnung geben zu können. Von einer Verwendung wird Implantatträgern daher abgeraten.
  • Induktionsherden
    Einem Induktionsherd sollten sich Implantatträger nicht auf mehr als 25 Zentimeter nähern.

Handys sind prinzipiell ungefährlich, der früher empfohlene Sicherheitsabstand (15 Zentimeter) kann entfallen. Zu kabellosen Ladestationen sollte man allerdings mindestens eine gute Handbreit Abstand halten. Ebenso sind mp3-Player unbedenklich, jedoch sollten Kopfhörer wegen ihrer starken Magneten nicht zu nah ans Implantat gebracht (auf die Brust gelegt) werden.

Im Übrigen geht von Stromleitungen im und außer Haus, von Elektroautos, von Flug- und Bahnreisen sowie von Metalldetektoren bei Sicherheitsschleusen keinerlei Gefahr für die Träger von Kardio-Implantaten aus. Wichtig: Diese Risikoangaben beziehen sich nur auf die grundsätzliche Gefahr von Interferenzen (Störungen) der implantierten Geräte. Ob beispielsweise eine Flugreise unbedenklich ist, hängt auch vom individuellen kardiovaskulären Status des jeweiligen Patienten ab.