Rund jeder vierte Deutsche setzt regelmäßig auf Nahrungsergänzungsmittel mit vielen Vitaminen und meist auch Mineralien. Eine große Metastudie belegt nun: Gegen Herzinfarkt und Schlaganfall ist man damit nicht besser gefeit.

„Stärken Sie Ihr Immunsystem und Wohlbefinden“, „Ein wichtiger Beitrag für Ihre Gesundheit“, „Für die tägliche Basisversorgung!“ So und ähnlich lauten die Slogans, mit denen die Hersteller von Multivitamin- und Mineralien-Präparaten ihre Produkte anpreisen. Vitamine sind schließlich gesund, das weiß doch jeder. Genauso, dass der Körper Mineralien braucht. Wenn man viele dieser gesunden Stoffe in komprimierter Form aufnimmt, muss das doch einen Nutzen bringen. Oder?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn der Körper verwertet die über Obst und Gemüse aufgenommenen Vitamine ganz anders – und deutlich wirkungsvoller – als die aus dem Labor. Wer glaubt, mit den entsprechenden, meist durchaus kostspieligen Präparaten etwas für sein Herz-Kreislauf-System zu tun, geht jedenfalls fehl.

„Die Einnahme von Multivitamin-Präparaten bringt für die Herzgesundheit keinerlei Vorteile mit sich“, erläutert der Herzmediziner Dr. Patrick Darb-Esfahani, der am Rüdesheimer Platz in Berlin-Friedenau praktiziert. „Vielmehr deuten Studien darauf hin, dass die Nahrungsergänzungsmittel auch Schaden anrichten können. Das betrifft die Krebsentstehung, aber ebenso das Herz-Kreislauf-System. Kalium beispielsweise, das vielen einschlägigen Produkten beigemischt wird, steigert in hohen Dosen das Herzinfarktrisiko. Insgesamt sinkt die Lebenserwartung laut aktueller Forschungslage bei langfristiger Einnahme solcher Präparate“, warnt der Kardiologe.

„Botschaften, die die Bevölkerung verunsichern“
Weder das Schlaganfall- noch das Herzinfarktrisiko lassen sich mit Multivitamin-Präparaten senken. So lautet das Fazit einer neuen US-Metastudie, in die Daten von über zwei Millionen Patienten eingeflossen sind. Studienleiter Dr. Joonseok Kim bezieht dezidiert Stellung: „Wir haben diese Analyse durchgeführt – obwohl bereits zahlreiche Studien deutlich gemacht haben, dass die Einnahme von Vitaminpräparaten null Wirkung zeigt –, weil die Kontroverse nicht endet und die Wissenschafts-Community nicht damit aufhört, Botschaften zu verbreiten, die die Bevölkerung verunsichern.“

Noch immer greift ein Viertel der deutschen Bevölkerung regelmäßig zu den vermeintlichen Gesundmachern und Lebensverlängerern. Das Geld ließe sich zweifelsohne besser investieren: in Obst beispielsweise. Ein Apfel vereint rund 1.000 verschiedene Stoffe. Bis sie alle mitsamt ihren Interaktionen verstanden wurden und synthetisch nachgebildet werden können, werden noch viele Jahre vergehen. Bis dahin hilft nur das Original.